Stabile Branchenentwicklung 2018

Factoring-Umsatz nähert sich der 250-Milliarden-Euro-Marke

Factoring in Deutschland gilt als elementarer Bestandteil im Finanzierungsmix der Unternehmen, sind die beiden deutschen Factoring-Verbände überzeugt. Das Umsatzvolumen der 74 Mitgliedsunternehmen mit einem geschätzten Marktanteil von mehr als 98 Prozent ist im vergangenen Jahr um knapp 4 Prozent auf rund 247 Milliarden Euro angewachsen. Der Beitrag belegt die Entwicklung des Gesamtmarktes 2018 und unterscheidet hinsichtlich der Factoring-Anbieter, der Arten und seiner Nutzer.

Der seit vielen Jahren anhaltende Trend zu einer vermehrten Nutzung von Factoring dauerte auch im Jahre 2018 fort. Die im Deutschen Factoring-Verband sowie im Bundesverband Factoring für den Mittelstand organisierten Factoring-Gesellschaften meldeten einen Umsatz in Höhe von 247,19 Milliarden Euro, das bedeutet ein Plus von 3,93 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den beiden Factoring-Verbänden gehörten im vergangenen Jahr insgesamt 74 Factoring-Gesellschaften mit einem geschätzten Marktanteil von mehr als 98 Prozent an. In den letzten zehn Jahren ist der Factoring-Umsatz durchschnittlich jährlich um 9,37 Prozent gewachsen. In absoluten Zahlen ausgedrückt hat dieses beeindruckende Wachstum dazu geführt, dass 2008 zum ersten Mal die 100-Milliarden-Euro-Grenze und bereits 2015 die 200-Milliarden-Euro-Grenze überschritten wurde. Nimmt man die nicht in einem der beiden Verbände organisierten Gesellschaften hinzu, so dürfte ein Gesamtumsatz in Höhe von 250 Milliarden Euro in Sichtweite sein.

Die erfolgreiche Entwicklung wurde im vergangenen Jahr vor allem durch die gute Konjunktur gespeist. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts war mit 3,4 Prozent nur geringfügig niedriger als die Wachstumsrate des Factoring-Umsatzes. Die Factoring-Quote, das heißt die Relation aus Factoring-Umsatz zu Bruttoinlandsprodukt, hat sich im vergangenen Jahr nur geringfügig erhöht und lag bei 7,3 Prozent. Seit 2009 ist die Factoring-Quote von damals 4,0 Prozent kontinuierlich angestiegen. Dies dokumentiert eindrucksvoll, dass sich Factoring als Finanzierungsinstrument etabliert hat. Ein Vergleich mit anderen Ländern allerdings zeigt, dass Factoring in Deutschland noch erhebliches Potenzial nach oben bietet. Die Factoring-Quote in Deutschland liegt nämlich immer noch deutlich unter dem EU Durchschnittswert von 10,9 Prozent. Zweistellige Factoring-Quoten gibt es in sieben europäischen Ländern, darunter Großbritannien (13,9 Prozent), Italien (13,1 Prozent), Frankreich (12,3 Prozent) und Spanien (12,4 Prozent). Das Wachstum des deutschen Factoring-Marktes lag 2018 ebenfalls deutlich unter dem durchschnittlichen Wachstum des Factoring-Umsatzes in Europa von 7,61 Prozent. Deutschland repräsentiert weiterhin nach Großbritannien (Marktanteil 20,20 Prozent) und Frankreich (Marktanteil 18,10 Prozent) und knapp vor Italien (Marktanteil 14,20 Prozent) mit einem Anteil von 14,50 Prozent den drittgrößten Factoring-Markt in Europa. Es ist davon auszugehen, dass der Wachstumstrend in den nächsten Jahren anhalten wird, wobei der Wachstumspfad von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängt.

Die durchschnittliche Forderungslaufzeit hat sich – laut Angaben des Deutschen Factoring-Verbandes – gegenüber 2017 um zwei Tage auf 42,4 Tage erhöht. Hierbei ist allerdings eine gegenläufige Entwicklung im nationalen und internationalen Factoring-Geschäft zu beachten: Während sich im< nationalen Factoring die Forderungslaufzeiten um vier Tage auf nunmehr 40,2 Tage deutlich verkürzt haben, stiegen die Forderungslaufzeiten im Import-Factoring stark an und lagen 2018 durchschnittlich bei 54,3 Tagen. (...)

Autor: Univ-Prof- Dr. Thomas Hartmann-Wendels (Marktbericht Factoring in FLF)